Auch in diesem Jahr hieß es Mitte Dezember wieder: Old & Rare Tasting der Scotch Malt Whisky Society. Und wieder im feinen Hotel Atlantic, aber dieses Mal nicht im Goldenen Saal (der wohl zum Büro umfunktioniert wurde, wie ich hörte) sondern im Senatszimmer. Die Bezeichnung Zimmer wurde seinerzeit wohl bewußt gewählt, da er um einiges kleiner war als der Goldene Saal war, in dem im letzten Jahr das Old & Rare-Tasting stattfand. So fanden denn auch nur 20 Genießer in besagtem Senatszimmer Platz anstatt der 30 Teilnehmer im letzten Jahr. Schlecht für die SMWS, die sich wohl einen größeren Raum gewünscht hatte, in welchem mehr Teilnehmer gepasst hätten. Eine entsprechende Nachfrage war wohl vorhanden.
Wie im letzten Jahr begleitete mich wieder meine Frau und wir waren wieder etwas zeitiger vor Ort um ein paar Aufnahmen vom Hotel Atlantic zu machen. Daran anschließend haben wir uns mit meinem Stiefsohn und seinem Freund in der Hotelbar getroffen, ebenfalls wie im letzten Jahr. Man kann sagen, dass das für uns schon eine Art Familienveranstaltung ist. Wir machten uns dann auf die Suche nach dem Senatszimmer, das in einem ganz anderen Bereich des Hotels lag als der Goldene Salon. Es stellte sich heraus, dass unser Ambassador Thom nebst einigen Gästen schon vor Ort waren. Also schnell Thom und bekannte Gesichter begrüßt und einen Platz gesucht, um dann sogleich das Lineup des Abends zu begutachten. Irgendwie konnte ich mich nicht des Eindrucks erwehren, dass sich Edinburgh bei der Auswahl der Flaschen nicht die größte Mühe gegeben hat, um es mal vorsichtig auszudrücken. Auf mich jedenfalls machte das Lineup einen etwas wirren Eindruck. Vielleicht lag es daran das nicht alle Flaschen schwarze Etiketten hatten (tatsächlich frage ich mich schon seit Jahren, nach welchen Kriterien die Vergabe der weißen und schwarzen Etiketten erfolgt) oder aber ich bin mit zu hohen Erwartungen in's Tasting gegangen, ich weiß es nicht. Allerdings hat sich die Society mit dem letztjährigen Lineup die Messlatte selbst so hoch gelegt. Aber wie dem auch sei, am Ende zählt der Inhalt der Flaschen und dem wenden wir uns nun schlußendlich zu.
Die Reise begann mit einem Auchentoshan mit der Nummer 5.131, der 22 Jahre in einem 1st Fill Bourbon Barrel verbringen durfte. Ein schöner Starter, wie allerdings das Verkostuntgspanel der SMWS in ihren Notizen zu der Aussage kommt, dass die Nase u.a. "mit geschmolzenen Wachsmalstiften, schaumigen Bananen und Ledersesseln, aber keiner Küchenspüle fasziniert" wird wohl deren Geheimnis bleiben. Schräg, aber auf jeden Fall doch auch irgendwie witzig.
Der Zweite im Bunde war dann die 64.164, der die 28 Jahre seiner Reifung in einem wohl nicht ganz so dichten 2nd Fill Bouron Barrel lag. So zumindest interpretiere ich den relativ niedrigen Alkoholgehalt von 43,8 % vol., was aber der Qualität des Mannochmore keinen Abbruch tat. Ein milder fruchtiger Malt, in dem ich tatsächlich auch die Minze und den Hibiskustee aus den Verkostungsnotizen herausschmeckte, was bei mir nicht so ganz häufig vorkommt.
Es ging weiter mit einem Glen Grant, der auf den schönen Namen "Perfume of the library's bookworms" hörte. Er durfte 21 Jahre lang in einem Barrel liegen, bevor er mit knackigen 57,7% vol. auf insgesamt 155 Flaschen gezogen wurde. Und in der Tat habe ich auch etwas Muffiges, Staubiges aber auch Malziges aus dem Whisky herauslesen können. Das neue Profil "Toasted Oak & Vanilla" passt hier ganz gut, würde ich sagen. Hat mir gut gefallen.
Mit der Nummer 4 begeben wir uns dann in die Highlands, genauer gesagt in die nördlich von Aberdeen gelegene Brennerei Glen Garioch. Hier wurde der Whisky am 17.02.2003 destilliert und im Jahre 2025 abgefüllt, so dass er 22 Jahre in den Fässern gelegen ist, die letzten drei davon in einem Oloroso Hogshead. Das Verkostungskomittee gab ihm den Namen "Custard on maramlade on rye", welchen ich schon als passend empfand. Zusätzlich hatte ich aber noch eine sehr holzige und tanninige Note am Gaumen, die manch einen abgeschreckt haben dürfte, mir jedoch ausgesprochen gut gefallen hat. Ein ganz feiner Tropfen, wie ich fand.
Und damit kommen wir zum vorletzen Whisky des Abends und wir bewegen uns das erste Mal an diesem Abend im Bereich der über 30-jährigen Whiskies. Und wie schon im letzten Jahr handelt es sich dabei um einen Benriach. Satte 35 Jahre hatte er auf der Uhr, von denen er 29 Jahre in einem Oloroso Butt verbrachte. Für den Rest seiner Reifungszeit wurde er in ein 1st Fill PX Butt umgefüllt. Es müssen wohl sehr dichte Fässer gewesen sein, in denen der Benriach lag, denn er kam mit satten 59,2% vol. um die Ecke. Allerdings waren diese sehr gut eingebunden, so dass der Alkohol nicht zu sehr im Vordergrund stand. Es ist schon ein sehr komplexer Whisky, den wir hier verkosten durften. Ich hatte u.a. rote Früchte, schwarzen Kaffee, dunkle Schokolade, Karamell und viel Würzigkeit. Man könnte wohl bei jedem Schluck neue Aromen herausschmecken und -riechen. Auch hier passt der Name „Velvety smooth with a hint of spice“ wieder sehr gut. Ein überragender Whisky.
Und last but not least hatte Thom noch einen alten Caol Ila namens „Maritime drift“ aus der Creators Collection mitgebracht, der sage und schreibe 31 Jahre in einem Bourbon Hogshead auf seine letztliche Bestimmung lauerte und ich muss sagen, selten habe ich einen so feinen Caol Ila trinken dürfen. Aus dem Glas waberte trotz seines Alters noch ein kräftiger Rauch herauf, am Gaumen dann aber präsentierte er sich dann aber doch milder und mit einer feinen maritimen und salzigen Note. Daumen hoch. Ganz großes Kino.
Damit ist das Old & Rare Tasting 2025 auch schon wieder Geschichte. Ich möchte noch erwähnen, dass uns wie im letzten Jahr wieder zu jedem Dram ein Canapé gereicht wurde. Kleine Happen aus der Hotelküche, die gut mit dem jeweiligen Whisky korrespondierten. Sehr delikat, das Ganze.
Fazit: Die letzten 3 Abfüllungen, der Glen Garioch, der Benriach und der Caol Ila, habe dann schlußendlich alles wieder herausgerissen, waren die ersten drei Kandidaten zwar auch sehr schöne Whiskies, aber meines Erachtens nach eines Old & Rare Tastings nicht so ganz würdig. Aber das ist Meckern auf hohem Niveau. Wie immer möchte ich mich bei Thom Glas, unserem Brand Ambassador, der SMWS und unserer Servicedame, die uns so hilfsbereit und freundlich lächelnd die Drams und die Canapés gereicht hat, für diesen fantastischen Abend im Atlantic Hotel bedanken.
