Und ein weiterer kleiner Konzertrückblick in Wort und Bild. Natürlich wieder von der MS Stubnitz. Dort fand am 15.02.2026, also vergangenen Sonntag ein Konzert statt, bei welchem sich Fans von Post Metal und schwerem Doom angesprochen haben dürften. Hemelbestormer und Wyatt E. hatten sich an besagten Abend auf dem Kulturdampfer angekündigt, um den Anwesenden ihre Version von Doom und Post Metal in die Lauscher zu drücken. Los ging es, wie eigentlich immer auf der Stubnitz, gegen 20:30 Uhr. Ich bin immer gerne ein wenig zeitiger vor Ort, so kann ich meine Kameraeinstellungen checken, mir das Merchandise anschauen und in Ruhe ein Störtebeker verhaften.
Beginnen durften Hemelbestormer, die ich eher vom Namen her kannte. Ich hatte von der Band vor, ich weiß nicht mehr genau, ca. 8 Jahren mal was gehört, aber da ist bei mir nix hängen geblieben. Deswegen war ich auf den Auftritt der vier Belgier hier im eiskalten Hamburg gespannt. Und ich muss sagen, der Gig hat mir ausgesprochen gut gefallen. Die Songs, die sich meist in ruhigen ambienten Sounds beginnend über Minuten zu immer mehr übereinander geschichteten Gitarrenwänden aufbauen und schlußendlich in einer schweren Wall of Sound kulminieren, laden regelrecht dazu ein, sich fallen lassen. Das alles zieht einen mit zunehmender Dauer der Songs in einen Sog, in dem man sich gerne verliert und gar nicht mehr auftauchen möchte, was noch durch den visuellen Aspekt wie die Videoprojektionen von Galaxien, Sternennebeln und Planeten hervorgehoben wird. Sehr emotional und auch ein bisschen melancholisch. Und, beinahe hab ich's vergessen; das Ganze lief rein instrumental ab, ohne Gesang. Wenn man dann sein Publikum so in seinen Bann ziehen kann, dann sagt das einiges über die Qualitäten der vier Belgier aus. Ganz feines Konzert.
Der Name Wyatt E. sagte mir bis vor kurzem überhaupt nichts. Ich bin durch das Durchforsten des Konzertkalenders der Stubnitz auf die Band aufmerksam geworden und hab mir ein Video auf Youtube reingezogen und für sehr geil befunden (hier der Link). Gerade die Performance der beiden Drummer hat mich sehr beeindruckt. Ich mag ja Bands, die mit 2 Schlagzeugern arbeiten, sehr gerne, beispielsweise Year of no light oder die frühen Kylesa. Aus diesem Grunde war ich auch ein wenig enttäuscht, als ich feststellen musste, dass das wohl eine Special Performance für jenes Konzert war. Aber sei's drum, am Ende des Tages macht das ja das Songmaterial nicht schlechter.
Wyatt E. bestehen aus drei insgesamt Musikern. Zwei Multiinstrumentalisten und einem Drummer. Die beiden Multiinstrumentalisten wechseln zwischen Gitarre und Bass hin und her und nebenher bedienen sie noch keyboardähnliche Gerätschaften und Stimmenverfremder, so dass man von Gesang eher weniger sprechen kann. Die verfremdeten Stimmen dienen daher eher als weiteres Instrument. So zumindest meine Wahrnehmung. Aber zurück zur Musik. Selber behauptet die Band in einem Statement "WE WRITE MUSIC FOR GODS", was auf den ersten Blick vielleicht etwas unbescheiden klingt, es aber auch irgendwie trifft, da es der Ambient-Doom der Band schafft, einen in eine andere Welt zu befördern. Sich langsam aufbauende Soundflächen werden mit doomigen Strukturen und Drone-Elementen vermischt. Hier und da vernimmt der geneigte Hörer fernöstliche Einsprengsel, was die meditative Wirkung der Soundteppiche unterstreicht. Bei Wyatt E. kann man sich ebenfalls, aber eben auch ein wenig anders, in dem von der Band erschaffenen Klangkosmos verlieren, ja quasi komplett verschwinden. Zumal wenn man ganz vorne am Bühnenrand in der Mitte steht, wo der Sound am Besten zur Geltung kommt und der Boden unter den Füßen im Rhythmus der Bässe vibriert. Einfach nur geil.
Fazit: Geiler Abend mit zwei Bands, die beide in ihrem Fachbereich ganz weit oben stehen, zumindest nach meinem Dafürhalten. Und in beiden Welten kann man sich in der Musik verlieren. So muss das. Wäre ich nicht mit Fotografieren so abgelenkt gewesen, hätte ich die beiden Auftritte sicher viel intensiver genießen können und wäre vielleicht ganz verschwunden. Aber auch so war es ein sehr gelungener Abend. Mein nächstes Konzert wird dann aller Voraussicht nach Anfang März das Grails-Konzert auf der MS Stubnitz sein. Wobei es dann wohl etwas ruhiger zugehen dürfte, ist die Band doch eher im Bereich des experimentellen Prog-Rock beheimatet. Ich bin gespannt.
