Auch in Teil 3 verbleibe ich noch im Elbsandsteingebirge. Da der Wetterbericht nix Gutes verhieß, hatte ich mich gegen ein Herumkraxeln in den Bergen entschieden. Vielmehr dachte ich mir, dass ich mir doch die Kirnitzschtalbahn anschauen könnte und mich mit diesem Gefährt einmal zum Lichtenhainer Wasserfall und zurück kutschieren lassen könnte. Ich wollte noch einmal das Gefühl spüren, mit so einer ollen Bimmelbahn aus tiefsten DDR-Zeiten durch die Gegend zu gondeln.
Also flugs in meinen Wagen gestiegen, nach Bad Schandau gefahren und zur Anfangshaltestelle am Kurpark gelaufen. Da die Kirnitzschtalbahn laut Sommerfahrplan alle 30 Minuten fährt, musste ich nicht allzu lange auf die Abfahrt warten. Tickets muss man manuell beim Schaffner/Fahrer kaufen, aber ich hatte ja ein D-Ticket. Als es dann Minuten später losging, fühlte ich mich um Jahrzehnte zurück versetzt. Quietschend und ächzend bewegte sich das Gefährt in Richtung Lichtenhainer Wasserfall, wobei die Reisegeschwindigkeit irgendwo zwischen rasanten 20 und 30 km/h betrug.
Die gesamte Streckenführung ist eingleisig und die Gleise befinden sich, abgesehen von den Haltestellen, auf der Staatsstraße 165, also direkt auf der Fahrbahn an der rechten Seite, was zur Folge hat, dass, wenn die Tram Richtung Bad Schandau fährt, Fahrzeuge der Bahn direkt entgegen kommen und entsprechend ausweichen und gleichzeitig auf den Gegenverkehr achten müssen. Ich finde das recht problematisch, aber es scheint wohl zu funktionieren. Auf der Rückfahrt fand dann eine erneute Ticketkontrolle durch einen anderen Kontrolleur statt, aber da dort am Lichtenhainer Wasserfall kein Netzempfang bestand, konnte ich denn auch nicht mein D-Ticket vorzeigen. Der Schaffner kannte das Problem und winkte nur leicht genervt ab. Tja, Netzempfang in D halt ...
Gegen Mittag war ich dann aber auch schon wieder durch mit dem Thema Kirnitzschtalbahn und mir drängte sich die Frage auf, was ich mit dem Rest des Tages anfangen sollte. Im Vorfeld der Reise hatte ich mir ja schon gewisse Eckpunkte gesetzt und da gehörte auch das Pravčická brána, also das Große Prebischtor, dazu, welches von meiner Unterkunft in Hřensko fußläufig erreichbar war. Das Wetter war zwar immer noch miserabel, aber was sollte ich machen. Den ganzen Nachmittag in der Unterkunft verbringen war keine Option. Also entschloss ich mich kurzer Hand, dieses Ziel anzusteuern.
Laut Komoot sollte der Weg nicht sonderlich kompliziert und auch zeitlich durchaus machbar sein, was sich letztlich auch als realistisch erwies. Nur hatte ich, wie schon am Vortage, wieder die Steigung unterschätzt, so dass ich an besagtem Tor vollkommen durchgeschwitzt ankam. Aber das Schwitzen hatte sich als durchaus lohnend erwiesen. Das Prebischtor an sich ist eine wunderschöne Felsformation, die man gesehen haben sollte. Allerdings sei nicht verschwiegen, dass man, wenn man zum Tor und zum gastronomischen Bereich wollte, an einem kleinen Pförtnerhäuschen bei einem alten Mütterlein einen kleinen Obolus entrichten musste, was ich aber in diesem Falle gerne tat. Es gab in dem Bereich dort oben jede Menge zu sehen und entdecken. Treppen, kleine Stege, enge Pfade führten zu immer anderen Aussichten auf die Böhmische Schweiz und auch auf das Pravčická brána. Sehr spannend das Ganze. Die Krönung war dann nach dem ganzen Mühsal ein großes tschechisches schwarzes Budweiser auf dem Freisitz der kleinen Gastwirtschaft. Einfach köstlich, dazu noch der Blick von meinem Platz auf das Tor. Und auch das Wetter veränderte sich zum Positiven, der Himmel klarte langsam auf und die Sonnen schien ab und an und tauchte das Gebiet in wundervollstes Fotografenlicht. Was will man mehr.
Nachdem ich mein Bier ausgetrunken hatte, wollte ich mich wieder auf den Rückweg machen und just in dem Moment bewegte sich auch eine kleine Seilbahn, die ich bis dato gar nicht wahrgenommen hatte. Und ich glaubte meinen Augen nicht zu trauen, als ich sah, wie auf der kleinen Ladefläche zwei Damen hockten und sich langsam gen Tal gondeln ließen. Ich gehe mal davon aus, dass der kleine Lift eigentlich nur für Güter gedacht war, aber hier wird er ganz pragmatisch als Personenbeförderungsmittel genutzt. Und ich hatte mich schon die ganze Zeit über gefragt, wie das Personal, und hier vor allem das alte Muttchen, von und zur Arbeit kommen. Macht für mich absolut Sinn, aber trotzdem habe ich vermutlich etwas dümmlich aus der Wäsche geschaut. Hier in D wäre sowas wohl undenkbar.
Was mir auf dem Hin- und Rückweg und dem Aufenthalt am Prebischtor aufgefallen ist, sind die Spuren des Großbrandes, welcher im Juli 2022 in weiten Teilen der Böhmischen Schweiz wütete. Rund 1600 Hektar standen wohl in Flammen und die Spuren sieht man im Bereich des Prebischtor noch zu deutlich. Gerade von den Aussichtspunkten erkennt man die Ausmaße des Brandes an den ein bis zwei Meter hohen, nachgewachsenen Baumbestand und den daraus herausragenden abgebrannten Baumstümpfen. Ein Anblick, der bei mir noch lange nachwirkte.
Der Rückweg war dann eher unspektakulär und ich war froh als ich wieder schwitzenderweise in meine Unterkunft ankam. Schlußendlich habe ich auch den 2. Tag im Elbsandsteingebirge sehr genossen. Aber einen Tag hatte ich ja noch vor mir, davon aber im nächsten Teil.
