Warten auf Grails

Grails & Expensive $hit (MS Stubnitz)

Aktuell geht es auf der MS Stubnitz Schlag auf Schlag, was geile Konzerte betrifft. Ein Konzert-Highlight jagt das Nächste. Die Besatzung dieses alten stählernen Fischereitrawlers macht derzeit offenbar so einiges richtig, was sich auch in der Musikwelt herumgesprochen und entsprechend im Konzertkalender der Location niedergeschlagen haben dürfte. Dieses Mal waren die Amerikaner von Grails zusammen mit dem Projekt Expensive $hit zu Gast an Bord der Stubnitz. Ein Konzert, auf das ich mich sehr gefreut habe.

Expensive $hit

Den Anfang machte der Künstler Paul Quattrone mit seinem Projekt Expensive $hit, von welchem ich bis dato überhaupt noch nichts gehört hatte. Dementsprechend war ich gespannt auf das, was da kommen sollte. Den Aufbau des Equipments fand ich schon mal interessant. Da fanden sich normale Drums neben elektronischen Drum Pads, Distortion Pedalen und jede Menge Mix- und Effektgeräte, und das alles sollte von einem Menschen bedient werden. Uff, spannend. Und doch funktionierte es. Es war schon beeindruckend, was Paul Quattrone da auf der Bühne fabrizierte.

Der Sound mäanderte irgendwo zwischen Rhythmic-Noise-Industrial, verspieltem (Drum)-Jazz mit Einsprengseln von Harsh Noise, Afro Pop und Trip-Hop. Entsprechend verwirrend war das Ganze denn auch, zumindest für meine Wenigkeit. Mir fehlte irgendwie das Klare, ein Ziel, das wo man mit dem Sound eigentlich hin will. Das mag aber tatsächlich auch an dem für Stubnitz-Verhältnisse etwas zu gedrosselten Lautstärke gelegen haben (Stichwort Vorband ?), der mir hier zu wenig aggressiv und druckvoll war, was diese Art von Musik meiner Meinung nach gebraucht hätte. Aber egal, interessant fand ich den Sound allemal.

Aber kommen wir nun zum Hauptact des Abends. Grails kannte ich bis vor ein paar Wochen überhaupt noch gar nicht. Erst nach Sichtung des Stubnitz-Kalenders irgendwann einnmal fiel mir die Band anhand der Beschreibung auf, woraufhin ich mir ein paar Videos von der Band auf youtube ansah. Und der leicht improvisiert herüberkommende feinfühlige Prog-Rock der Band hatte mich sofort in seinen Bann gezogen, so dass ich mich tierisch auf das Konzert freute. Und meine Erwartungen wurden nicht enttäuscht, soviel kann ich schon mal sagen.

Der Beginn hatte mich dann aber doch etwas überrascht, da ich dieese heftige Lautstärke bei dieser Band nicht unbedingt erwartet habe, zumal der Sound anfangs etwas zu undifferenziert rüberkam. Was ich in den Videos als sehr fein und nuanciert heraus hörte, kam live dann ziemlich brachial daher. Ich musste mich erst einmal daran gewöhnen, es ist eben doch ein riesengroßer Unterschied, ob man eine Band live live sieht oder nur live per Video. Hier habe ich das wieder einmal sehr deutlich erfahren dürfen. Nach ein paar Minuten wurde dann aber auch der Sound deutlich besser und die Feinheiten dieses warmen und gefühlvollen Progressive Rocks kamen damit sehr viel besser zur Geltung.

Grails Drummer - in der Musik versunken

Ich merke gerade, dass ich, während ich diese Zeilen verfasse, wieder in's Schwärmen komme, was ganz einfach der Tatsache geschuldet ist, dass ich nebenbei ein Video der Band laufen habe. Also zurück zum Thema. Mit zunehmender Dauer arrangierte sich mein Gehör auch mit der Lautstärke und ich begann tiefer in den Sound der Band einzutauchen. Wenn ich nicht immer wieder wegen der Fotografiererei vor der Bühne hin- und her gehirscht wäre, hätte ich mich wahrscheinlich in diesem unheimlich weiten Klangkosmos verloren. Man lauscht den ausufernden Sounds und beobachtet die Bandmitglieder, wie sie quasi selbstvergessen und sich doch mit Blicken mit ihren Bandkollegen abstimmend ihre Instrumente mal fast streicheln und manchmal kräftig bearbeiten.

Abschließend sei gesagt; wer auf leicht jazzig angehauchten und gefühlvollen Art Rock abfährt, sollte sich den Namen Grails hinter die Ohren schreiben und sich das nächste Live-Event der Amerikaner auf seine Agenda packen. Ich für meinen Teil werde das definitiv tun, und dann hoffentlich auch mal ohne Kamera, um komplett in diese tiefen Sounds abtauchen zu können.

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