Sumac & Chained To The Bottom Of The Ocean (MS Stubnitz)

Auf das Sumac Konzert hatte ich mich so richtig gefreut. Stattgefunden hatte es am Karfreitag, natürlich wieder auf der MS Stubnitz. Ich hatte die Band schon mal beim Doom Over Leipzig Festival gesehen, dass muss so Anfang - Mitte der 2010er Jahre gewesen sein. Das Doom Over Leipzig-Festival war immer eine Bank gewesen, welches alle Arten von Doom im Kontext mit Sludge, Post Metal, Noise, Experimental, Drone, Black Metal, Ambient usw. abgedeckt hat. Hinzu kommt noch die Location, in der das Festival stattfand: das UT Connewitz in Leipzig, ein altes Kino, welches schon vor langer Zeit ausgedient hat und nun für alle Arten von Konzerten vorwiegend der Kategorie Subkultur genutzt wird. Ich muss dazu noch anmerken, dass ich in noch keiner Location einen dermaßen fetten, differenzierten, druckvollen Sound erlebt habe wie im UT Connewitz, was natürlich zu dieser Art Musik passt wie die sprichwörtliche Faust auf's Auge.. Es hat mich jedes Mal weggeblasen, was zum einen an der Akustik des alten Kinos lag, die Architekten damals hatten ihre Hausaufgaben definitiv gemacht, und zum anderen an den Soundtechnikern des UT, die aus der Akustik des Hauses das Maximum herausholten. Aber das DOL ist leider Geschichte und ich bin ein wenig abgeschweift, also zurück zum Thema.

Den Vorreiter machte eine Band aus den US of A namens Chained To The Bottom Of The Ocean. Hatte ich noch nie gehört, deswegen hatte ich im Vorfeld mal bei kurz bei youtube reingehört und musste konstatieren: Not my cup of tea. Live auf der Stubnitz kam das natürlich ein wenig anders und wesentlich druckvoller rüber, aber trotzdem, der Sound der Band hat mich nicht wirklich abgeholt. Was soll's, kann ja nicht immer alles ein Volltreffer sein.

Aaron Turner (Sumac)

Und dann kam er, der Auftritt von Sumac. Ohne großes Brimborium, das hat die Band nicht nötig, legten sie los. Der Sound war von Anfang an sehr klar und druckvoll, voll auf die Omme sozusagen. Und ich war von Beginn an drin, viele Songs kannte ich, einige nicht, was aber egal war. So richtig weiß ich nach wie vor nicht, wie ich den Sound von Sumac beschreiben soll. In der Vorschau auf der Stubnitz-Website stand etwas von Free Metal, was man ganz grob unterschreiben kann. Klassische Songstrukturen findet man ja bei ihnen eher weniger, vielmehr wirkt der Sound der Band immer ein wenig improvisiert, was durch das free-jazzige Drumming noch befeuert wird. Aber letztlich ist es egal, wie man den Sound beschreibt, gefallen muss er, und krachen. Und Beides ist hier der Fall. Aaron Turner geht in seiner Musik auf und verliert sich oft in seinen wilden Gitarrenorgien, ohne komplett darin zu verschwinden, Drummer Nick Yacyshyn träumt von Free Jazz und lebt diesen an seinen Drums aus, während Bassist Brian Cook souverän mit seinem Bass das ganze Soundkonstrukt zusammenhält und untermauert. Das alles ist natürlich keine Nebenbeihör-Musik, der Sound der Band ist anstrengend und fordernd, ja geradezu destruktiv und negativ. Aber immer wieder zwischendrinin, in ruhigen Gitarrenpassagen hört man ein kleines Fünkchen Hoffnung heraus und die Entschlossenheit, die Herausforderungen der Existenz anzunehmen.

Wenn man sich ein wenig mehr mit dem Sumac-Sound und seinen Auswirkungen auf einen selber beschäftigt, könnte man fast schon in's Philosophische abdriften, aber soweit will ich hier gar nicht gehen. Fakt ist, dass dieser knochentrockene Sound in Verbindung mit Aaron Turners extrem rauher und brutaler Stimme mich seit je her fasziniert hat und mich an jenem Abend wieder total in seinen Bann gezogen hat.

Zum Schluß will ich noch anmerken, dass das Schiff an diesem Abend wieder sehr voll war, ich würde sagen, fast ausverkauft, was der Crew der MS Stubnitz naturgemäß sehr zugute kommt, mir jedoch ein wenig meinen Bewegungsradius eingeschränkt hat. Aber da ich mich beizeiten strategisch günstig direkt vor der Bühne platziert hatte, konnte ich einige gute Bilder von der Band machen. Kurzum: großartiger Auftritt Sumac = großartiger Abend.

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