Kyffhäuserdenkmal bei bestem Wetter

Reise in die Vergangenheit – Part 5

Meine Reise in die Vergangenheit führte mich, nachdem ich dem Elbsandsteingebirge den Rücken gekehrt hatte, zunächst nach Leipzig, wo ich meine Familie besuchte. Einen Tag später brach ich dann wieder auf und zwar in Richtung Harz. Hauptziel dort war die Hammerschmiede, eine kleine Destillerie in Zorge im Herzen des Harzes. Aber dazu mehr im nächsten und abschließenden Blogbeitrag. Davor wollte ich noch das Kyffhäuserdenkmal besuchen, welches ich das erste Mal im zarten Alter von 10 oder 11 Jahren im Rahmen eines Ferienlagers sehen durfte. Das Ferienlager fand ich toll, weiß jedoch nicht mehr, ob wir damals auch diesen Koloss auch besucht hatten. Aus der Ferne hatte ich dieses Bauwerk in der Vergangenheit jedoch schon öfters betrachten dürfen. Wie dem auch sei, ich war auf jeden Fall gespannt.

Kyffhöuserdenkmal im Sonnenschatten

Die Straße zum Denkmal war gut ausgeschildert, dementsprechend entspannt war die Anfahrt. Ein paar Hundert Meter musste ich noch zu Fuß zurücklegen, bevor ich am Einlass den üblichen Obolus für den Eintritt solcher Bauten hinterlegen durfte. Als ich dann vor diesem Giganten aus Sandstein stand, war ich sowohl beeindruckt als irgendwie auch negativ berührt. Beeindruckt war ich von der Größe des Denkmals, welches man ja schon aus kilometerweiter Entfernung sehen kann. Der Turm an sich ist 57m hoch, die Gesamthöhe incl. der Sockel beträgt immerhin 81m. Was mich an diesem Monument so abstößt, ist die martialische, ja schon militaristische und einschüchternde Ausstrahlung des Denkmals, was von den Erbauern bzw. deren Auftraggebern ja durchaus beabsichtigt war. Wenn man sich anschaut, wer den Bau in Auftrag gegeben hat und welche Figuren dort dargestellt werden, muss man sich über die Bedrohlichkeit des Bauwerks jedoch nicht wundern. Erbaut wurde das Kyffhäuserdenkmal zwischen 1892-96 im Auftrag des deutschen Kriegerbundes (der Name sagt alles) zu Ehren Kaiser Wilhelms I. auf dem Gelände der alten Reichsburg Kyffhausen. Im oberen Teil des Denkmals ist das Reiterstandbild des Monarchen zu sehen, welches über eine in den Sockel eingemeiselte Sandsteinfigur von König Barbarossa thront.

Lässt man den negtiven Grundtenors des Monuments einmal beiseite, bleibt am Ende aber eben doch ein imposantes und gewaltiges Bauwerk, welches mich, aus architektonischer Sicht betrachtet, sehr beeindruckt hat. Ich bin dann schließlich noch im Inneren des Turms die Treppen ganz nach oben gestiegen, um den herrlich-weiten Ausblick in alle Himmelsrichtungen zu genießen.

Geplant hatte ich es nicht, aber nachdem ich mir das Kyffhäuserdenkmal in Ruhe angeschaut hatte, überlegte ich mir, was ich mit dem Rest des Tages anfangen sollte. Es war noch relativ früher Nachmittag und zu zeitig wollte ich nicht in meiner Unterkunft in Zorge aufschlagen. Da erinnerte ich mich daran, auf dem Weg zum Denkmal einen Wegweiser zur Barbarossahöhle gesehen zu haben. Also nicht lange überlegt und einfach mal hingefahren in der Hoffnung, dort noch an einer Führung teilnehmen zu können. Und ich hatte tatsächlich großes Glück. Ich kam kurz vor 5 auf dem Parkplatz vor der Höhle an und die letzte Führung begann genau um 17:00 Uhr. Also schnell ein Ticket geordert und dann ging's auch schon los mit der Führung.

Erinnern kann ich mich leider nicht mehr, aber es liegt durchaus im Bereich des Möglichen, dass ich auch in der Höhle schon einmal gewesen bin. Wiedererkannt hatte ich natürlich nichts, was aber nicht verwundert nach all den Jahren. Durch einen langen Schacht gelangt man in die Höhle, die in Europa wohl einzigartig ist, da sie in Anhydritgestein eingebettet ist. Es gibt weltweit nur eine einzige weitere Höhle dieser Art. Diese befindet sich im Uralgebirge, welches Europa von Asien trennt.

In der Höhle selbst tut sich dann eine eigene Welt auf. Riesige Hohlräume, deren Dimension man gar nicht erkennen kann, da sie sich in den kristallklaren blau-grün schimmernden Seen spiegeln. Auf den Fotos kann man teilweise nicht mehr zwischen Wasser und Luft unterscheiden, alles verschwimmt zu einem Ganzen. Von Wänden und Decken hängen sogenannte Gipslappen, die wie alte, sich lösende Tapeten wirken und dem Ganzen ein sehr bizarres Aussehen verleihen. Dieser Effekt entsteht durch das Anhydrit auf der Oberfläche, welches an Volumen gewinnt und sich dadurch von Wänden und Decken löst.

Die Grenzen verschwimmen

Insgesamt legen wir ca. 800m in diesem unterirdischen Gebilde zurück, bevor es über 50 Treppenstufen wieder hinaus in's Freie geht. Eine weitere Besonderheit der Barbarossahöhle ist die Temperatur. Diese beträgt im Inneren konstant 9°C. Für mich unwissenden Spontanbesucher im Spätsommer eine ziemlich kühlende Erfahrung. Und eine faszinierende dazu.

So gegen 18 Uhr war dann die Führung beendet und ich fuhr dann noch ein paar Dutzend Kilometer nach Zorge, wo mich am nächsten und finalen Tag meiner kleinen Rundreise in der Hammerschmiede eine Destillerie-Tour und ein Special Tasting mit der Mistress of Distilling erwarten sollte. Damit ging denn auch ein sehr spannender und interessanter vorletzter Tag zu Ende. Letzten Endes war ich froh, mir diese beiden Sehenswürdigkeiten angesehen zu haben. Kann ich nur wärmstens empfehlen.

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