Schottland 2026, vom Süden in den Norden – Part 1

Meine Schottland-Rundreise ist nun auch schon wieder Geschichte und damit beginnt auch die Zeit der Aufarbeitung. Im ersten Teil sollen der Ankunftstag in Glasgow und das erste Teilziel, Campbeltown, Thema sein. Am Starttag geht es naturgemäß gar nicht so sehr um die Landschaft oder um Whisky, sondern um einen Pubbesuch - gut, hier ist Whisky natürlich ein Thema - und eine kurze fotografische Bestandsaufnahme von Glasgow's City. Danach aber geht's dann aber schon los mit der ersten Destillerie, bevor wir dann über einen Schleichweg zum Südzipfel Kintyre weiterfahren. Übrigens ist es eine Premiere, dass eine Schottlandreise von mir in Glasgow beginnt und endet. Meine ca. 10 Schottland-Trips, ich weiss das gar nicht mehr so genau, starteten und endeten bis dato immer in Edinburgh. Eine weitere Premiere: Das erste Mal, dass ich mit Lufthansa nach Schottland reise. Bisher bin meist in ein Ryanair-Flugzeug gestiegen, ab und an aber auch in eines von Easy Jet.

Nach dem Einchecken am späten Nachmittag im Hotel in der City von Glasgow ging es sodann gleich in einen Pub namens The Pot Still, wo wir mit Freunden verabredet waren, die just an diesem Tag vom Whisky Festival in der Speyside zurückamen und von Glasgow aus ihre Heimreise antreten wollten. Es wurde denn ein erwartungsgemäß lustiger und auch feuchter erster Abend, was neben diversen Whiskies auch an einem sauleckeren Craft Stout namens "Old Engine Oil" (geiler Name) lag, welches mir offenbar ein wenig zu sehr mundete, da ich als Erster die Runde gen Hotel verließ. Alles in allem also ein standesgemäßer Auftakt.

Am nächsten Morgen dann mussten wir beizeiten raus, da wir unseren Mietwagen vom Airport in Glasgow in Empfang nehmen wollten. Und dann ging es auch schon los. Wir hatten eine relativ direkte Tour gewählt, die uns über die Fähren McInroy's Point - Hunter's Quay und Portavadie - Tarbert zur Halbinsel Kintyre führte. Landschaftlich schön und durch wenig Verkehr vorwiegend über Single Track Roads sehr ruhig war diese Route eine gute Wahl. Und die beiden Überfahrten mit der Fähre waren auch sehr entspannt und bekanntermaßen liebe ich ja Bootsfahrten jeglicher Couleur, egal ob auf kleinen Nussschalen oder auf großen Fähren (jetzt weiss ich auch, was mich vor 18 Jahren nach Hamburg verschlagen hat 😉 ).

Bevor wir jedoch auf der ersten Fähre anheuerten, wollten wir noch einen Abstecher zur ziemlich jungen Ardgowan Distillerie machen, die mehr oder weniger auf dem Weg lag. Ich hatte vor der Reise schon mal auf Google-Maps nach der Brennerei geschaut und nur ein altes kleines Gehöft gesehen und dementsprechend auch nicht viel erwartet. Umso überraschter war ich dann, als wir dort ankamen. Hinter besagtem Gehöft wurde schnell die Brennereianlage sichtbar, die architektonisch schon ein wenig extravagant daherkam. Mit zur Straße hin aufstrebendem Dach wirkte sie sehr futuristisch. Und in der Zukunft soll das Gebäude zur Straße hin noch einmal erweitert werden. Man hat hier also große Pläne. Inwieweit diese in der heutigen Marktsituation realistisch sind, sei einmal dahingestellt. Aber das man auch vorsichtig agiert, zeigt ein Blick in das Innere der Distillery auf die Wash- und die Spirit Stills. Beide sind jeweils einmal vorhanden, könnten aber gegebenenfalls um je eine ergänzt werden. Aktuell bezieht die Destillerie ihren Strom noch aus einem autarken Stromerzeuger, da der Anschluß an das Stromnetz, aus welchen Gründen auch immer, noch nicht erfolgt ist. Hatte ich so auch noch nicht gesehen, scheint hier aber kein unübliches Verfahren zu sein.

Nach diesem kurzen Abstecher ging es dann aber flugs zur ersten Fähre, die uns nach Hunter's Quay brachte. Bevor wir weiter zur nächsten Fähre aufbrachen, stärkten wir uns in Dunoon mit einem kleinen Snack. Die Fahrt nach Portavadie führte uns über eine ziemlich verkehrsarme, meist als Single Track Road ausgelegte Straße zur nächsten Fähre nach Portavadie. Zwischendurch hielten wir am Loch Ruel Viewpoint, um kurz die fantastische Aussicht zu genießen. In Portavadie angekommen mussten wir nicht lange auf die Fähre warten, die uns in Tarbert abliefern sollte. Bei beiden Fähren muss man nicht vorher buchen, sondern man kommt an und checkt sich auf der nächst besten Fähre ein. Sollte es zu voll sein, wartet man halt auf die kommende, allerdings nicht zu lang, da diese am Tage halbstündlich bzw. stündlich verkehren. Diese alternative Route Richtung Campbeltown/Islay muss ich mir merken, gefällt mir sehr gut. Auf jeden Fall sehr viel entspannter als die Route oben herum über den Loch Fyne und Invereray.

Kaum in Campbeltown angekommen, mussten wir nach dem Einchecken in unsere Unterkunft sogleich bei Springbank vorbeischauen. Was auch sonst, ist schließlich Pflichtprogramm bei einem Besuch des kleinen Städtchens im Süden von Kintyre. Zum einen schaut man als erstes im Shop, was für Abfüllungen im Cage vorhanden sind. Zum anderen liebe ich es, auf dem Gelände herumzustromern und dem geschäftigen Hin und Her der vielen Brennerei Mitarbeiter zuzuschauen. Irgendwie liegt bei Springbank immer eine gewisse Magie in der Luft, die sicherlich mit den außergewöhnlichen Brennerzeugnissen der Destillerie in Zusammenhang gebracht werden kann. Aber nicht nur, meine ich, vielmehr spielt hier auch die Herzlichkeit und Wärme der Menschen und die Atmosphäre bei Springbank mit rein. Im Anschluß besuchten wir kurz vor Toresschluß noch den Cadenhead Shop, der gleich um die Ecke liegt. Allerdings sind wir da schnell wieder raus, da eine Gruppe Amerikaner den Laden und das Personl komplett in Beschlag nahm, was speziell Peter sehr "freute". Unser Abendessen nahmen wir standesgemäß im Ardshiel Hotel ein, welches für seine gute Küche bekannt ist. Darüber hinaus lässt das Whiskyangebot kaum Wünsche offen, weswegen wir noch ein wenig länger verweilten und uns ein paar spezielle Haustropfen zu Gemüte führten. Bevor wir dann am nächsten Tag Richtung Islay aufbrachen, mussten wir aber nochmal in den Springbank Shop schauen und je eine Flasche aus dem Cage mitnehmen. Die Abfüllungen dort sind immer eine Bank und man kann ohne viel nachzudenken blind eine Flasche mitnehmen.

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