In Teil 2 sind wir auf dem Weg nach, wer hätte es gedacht, richtig, Islay. Ist ja auch naheliegend, wenn man in Campbeltown ist. Ein paar Meilen Richtung Norden gefahren, auf die Fähre gehüpft und schon ist man auf der Lieblingsinsel der Peat-Whisky-Nerds. Aber der Reihe nach ...
Bevor wir nach Kennacraig zur Fähre aufbrachen und noch einmal den Springbank-Shop besuchten, fuhren wir noch ein Stück Richtung Davaar Island, da wir noch ein wenig Zeit hatten. Diese kleine Eiland mit dem markanten Buckel, welches bei Ebbe sogar als befahr- bzw. begehbar gilt, hatte uns alle drei irgendwie fasziniert.
Nachdem die Einkäufe im Springbank-Shop erledigt waren, ging es dann wieder nordwärts nach Kennacraig. Unser Campbeltown Trip war mit einer Übernachtung zwar ziemlich kurz bemessen, aber wir hatten uns halt einen straffen Zeitplan für den Trip auferlegt, den wir einhalten mussten. Ich bin jedes Mal auf's Neue gespannt, wenn ich die Strecke Kennacraig - Port Askaig befahren kann. Es bieten sich immer wieder neue Blickwinkel links und rechts der Route, gerade bei unterschiedlichen Wetterlagen. Dementsprechend genoss ich die Fahrt gedanklich und fotografisch sehr. Das ist für mich Entspannung pur. Wichtiger Wegpunkt Richtung Islay ist für mich, wenn wir Mc Arthurs Head passieren. Dann ist's bis Port Askaig nicht mehr weit und die Vorfreude auf die Insel mit ihrer irgendwie schon fast mystischen Ausstrahlung steigt noch einmal. Aber auch wenn man sein Auge Richtung Steuerbord schweifen lässt, wird es nicht langweilig. Die Isle of Jura bietet ob ihrer meist von Wolken umgebenen, ja fast schon majestätisch anmutenden Paps of Jura jede Menge Input für Auge und Sensor. Schließlich in Port Askaig angekommen, steuerten wir unseren fahrbaren Untersatz erst einmal gen Bruichladdich und im Anschluß nach dem auf dem Weg nach Port Ellen liegenden Bowmore, um die Shops der gleichnamigen Brennereien kurz in Augenschein zu nehmen. Im Anschluß checkten wir in unsere Bleibe für die nächsten drei Tage in Port Ellen ein, welche sehr zentral an der Bushaltestelle in der Charlotte Street gelegen war. Den Tag hatten wir dann am Ende des Tages in der Bar des Ardbeg Hotel ausklingen lassen, wo wir uns mit ein paar nicht mehr erhältlichen bzw. nur hier in der Bar vorhandenen Abfüllungen auseinandersetzten. Dabei verliebte ich mich in den Ardbog, welcher mir mit seiner finalen Reifung in Manzanilla-Fässern neu war. Ardbeg-Torf, kombiniert mit salzigen Noten von einem Manzanilla-Fass bilden für mich eine ganz fantastische Kombination. Die Bar an sich kannte ich schon von einem meiner letzten Islay Besuche. Bautechnich hatte sich an der Räumlichkeit nicht viel geändert, allerdings wurde das Interieur verändert, ein wenig aufgewertet und natürlich an die Ardbeg-CI angepasst. Alles in allem hat Ardbeg das gut hinbekommen.
Den ersten vollen Tag auf Islay verblieben wir denn auch an der Südküste. Wir wollten den "Three Distilleries Path" von hinten, oder geografisch gesehen, von oben fußläufig aufrollen, also die klassische Route Ardbeg - Lagavulin - Laphroaig. Aber halt, fehlt da nicht noch was? Richtig, die noch im Bau befindliche Portintruan Distillery von den Elixir Distillers, welche den Begriff "Three Distilleries Path" ad absurdum führt, da diese Brennerei genau zwischen Port Ellen und Laphroaig liegt, also quasi die vierte der Südküsten-Destillerien darstellt. Da müssen dann wohl noch diverse Beschilderungen entlang des Weges angepasst werden.
Also setzten wir uns am Vormittag in einen Bus vor unserer Haustüre und tuckerten in Richtung der nördlichsten der Südküsten Brennereien, Ardbeg. Dort angekommen, bewunderten wir erst einmal die Wendekünste des Busfahrerers auf engstem Raum an dem kleinen Abzweig zur Destillerie. Mich fasziniert jedes Mal aufs Neue die kleine Kreuzung mit ihrem beredten, nicht ganz ernst gemeinten Wegweiser und ich musste das natürlich wieder fotografisch festhalten. Ob unserer etwas zeitigen Ankunft mussten wir noch ein wenig Zeit bis zur Öffnung der Destillery totschlagen, die wir mit einem kleinen Ausflug in nördlicher Richtung verbrachten, da uns der Weg in die andere Richtung zu den kleinen Hügeln mit der schönen Aussicht auf die Brennerei aufgrund von Sturmschäden versperrt blieb. Auch gut, hatte ich doch wieder neue Perspektiven auf das Umland der Destillerie kennengelernt. Über uns krakeelten die ganze Zeit über ein paar Austernfischer, denen wohl nicht passte, dass wir in ihr Revier eingdrungen sind. Beim Shopbesuch dann war ich überrascht, denn mittlerweile gibt es hier einen Welcome Dram. Aus der Erinnerung heraus war das bei meinen ersten beiden Besuchen nicht der Fall, ich kann mich aber auch täuschen. Ein schöner Ardbeg mit dem sehr passenden Namen Homecoming. Wir stärkten uns dann noch im Café und lernten dabei die neue Distillery Managerin von Ardbeg, Bryony McNiven, kennen, die uns freundlicherweise noch einen Dram spendierte. Sehr nette Geste. Und Peter ist halt gut vernetzt in der Whiskywelt. Ich mag es, bei Ardbeg zu sein. Schöne Destillerie, feine Whiskies und der Kaffee schmeckt immer richtig gut ;-).
Aber wir hatten ja noch Programm, deswegen mussten wir auch irgendwann loslaufen zur nächsten Brennerei. Und das war, der gemeine Islay-Nerd weiß es natürlich, Lagavulin. Dort wollten wir uns ein wenig im Shop umschauen, sind aber quasi postwendend wieder raus, da der Shop mit einer Gruppe Amerikaner ziemlich überlaufen war. Ich war nicht böse drum, da ich mit Lagavulin nicht wirklich viel anfangen kann. Und Peter hatte wieder seine helle "Freude" mit den Amerikanern, die uns schon im Cadenheads-Shop in Campbeltown 2 Tage zuvor unangenehm aufgefallen sind.
Also flugs weiter Richtung Süden zur nächsten L-Brennerei marschiert: Laphroaig. Bekanntermaßen ja meine favorisierte Destille. Ich war gespannt, was sie denn dieses Mal als Single Cask Abfüllung im Angebot hatten. Irgendwo in einem Hinterstübchen meiner Steuerungszentrale hatte ich aber schon längst eine Flasche dieser zu jenem Zeitpunkt noch sehr nebulösen Abfüllung als gekauft abgespeichert. Aber OK, so ist das eben mit Lieblingsdingen, wer kennt es nicht. Endlich angekommen bei Laphroaig und schon in Habacht-Stellung für Fotos vom ikonischen Laphroaig-Schriftzuges Richtung Meer (muss jedes Mal sein) stellten wir fest, dass eben jener gerade einer Erfrischungskur unterzogen wurde. Das Fèis Ìle 2026 warf hier schon seine Schatten voraus und die Fassade musste nochmal geweißt werden, was jedoch den Vorteil hatte, dass ich mal ein wenig andere Fotos von der Laphroaig Fassade knipsen konnte. Da wir bis zu unserem nächsten Termin bei Portintruan noch jede Menge Zeit hatten, ließen wir uns im Cafè der Distillery nieder und genehmigten uns Kaffee, Haferkekse und Laphroaig-Cheddar. Als Welcome-Dram gab es naturgemäß einen Cairdeas (vom letzten Jahr), den wir uns natürlich nicht entgehen lassen konnten. Ich musste dann im Anschluß selbstredend das aktuelle Single Cask probieren, welcher aber eben keine reine Single Cask-Abfüllung war, sondern eine Nachreifung in einem Marsala Quarter Cask. Wenn ich mich recht entsinne, lagerte der Whisky vorher in zwei verschiedenen Ex-Bourbon Casks. Durch seine Geaamtlagerzeit von 17 Jahren hatte er auch "nur" 50,7 % vol. auf der Uhr, was mich überhaupt nicht störte, ganz im Gegenteil. Wir haben es hier mit einem sehr fruchtigen Vertreter (das Marsala-Fass hat hier sehr deutlich seine Fussstapfen hinterlassen) seiner Art zu tun, wobei natürlich der typische medizinische Jod-Torf ebenfalls seine Akzente setzen konnte. Alles in allem aber schon ein ziemlich gediegener Laphroaig, der schon an der Tür zum Gentleman-Whisky anklopfen wollte. Daneben gönnte ich mir noch einen 25-jährigen Laphroaig. Je länger ich mich mit dem Thema Whisky auseinandersetze, desto mehr favorisiere ich länger gereifte Abfüllungen, was mir aber überhaupt nicht unnormal vorkommt. Irgendwann mussten wir denn auch doch wieder aufbrechen, da wir den Ruf von Portintruan schon deutlich vernehmen konnten. Schade auf der einen Seite, da ich mich gerne noch durch verschiedene Abfüllungen durchprobiert hätte, andererseits aber war ich sehr auf die noch im Bau befindliche Brennerei der Gebrüder Singh gespannt.
Die neue Destillerie war schon weitem vom Three (bzw. Four) Distilleries Path zu sehen und wirkte im Gegensatz zu unserem letzten Besuch zum Fèis Ìle 2024 schon fast fertig, aber eben nur fast, wie wir noch sehen durften. Wir wurden von Jackie Thomson am Baustelleneingang in Empfang genommen und erstmal zu den Baucontainern geführt, wo wir auf Georgie Crawford trafen und dort mit Arbeitsschuhen, Bauhelm, Schutzbrille und Handschuhen ausgestattet wurden. Peter kennt ja Jackie und Georgie noch aus ihren Zeiten bei Ardbeg bzw. Lagavulin und so wurde erstmal ein wenig über Gott und die (Whisky-)Welt geschnackt, bevor wir dann mit Jackie zur Baustellen-Tour aufbrachen. Meine Herren, was wir dort zu sehen bekamen, lässt auf Großes schließen. Was Sukhinder und Rajbir Singh, die Eigentümer von Elixier Distillers, hier aufbauen, dürfte der einen oder anderen Brennerei auf Islay schlaflose Nächte bereiten. Nicht umsonst haben die beiden Grandes Dames des Islay Whisky-Kosmos bei den Gebrüdern Singh eine neue berufliche Heimat gefunden. Man merkt den beiden fest auf der Insel verwurzelten Urgesteinen des Islay Whisky ihren Enthusiasmus für das Projekt an, was nicht nur mit der künftigen Whisky-Produktion zu tun haben dürfte, sondern auch mit dem Engagement für die einheimische Bevölkerung, welches u.a. soziale Projekte vor Ort als auch kulturelle und nicht nur auf die Whiskywelt bezogene Veranstaltungen für die Insulaner beinhalten sollen. Sehr ambitioniert und spannend das Ganze und dementsprechend gespannt bin ich auf die weitere Entwicklung in der südlichsten der südlichen Islay Destillerien (Port Ellen lasse ich hier mal ganz dezent außen vor). Ich denke, da kommt was ziemlich Großes auf die Whiskywelt zu.
Am nächsten Tag, schon wieder der letzte auf Islay, ging es zunächst an den Loch Indaal, genauer gesagt zu Bruichladdich, wo wir ein Warehouse-Tasting gebucht hatten. Ich wußte noch, diese Tastings sind immer eine Bank, hatten wir doch schon vor ca. 2,5 Jahren das Vergnügen, einem solchen beizuwohnen. Bevor es jedoch zur Brennerei ging, genehmigten wir uns erst noch einen Kaffee im Bruichladdich Mini Market, den wir ebenfalls schon von vergangenen Reisen her kannten. Ein kleiner uriger Tante Emma-Laden, wie man ihn heutzutage selten noch findet. Hier treffen sich die Einheimischen zu Kaffee, Frühstück oder auch einem kleine Plausch über Gott und die Welt. Ich mag diesen kleinen Laden ganz gerne, zudem schmeckt der Kaffee dort sehr gut.
Das Tasting dann fand wie gewohnt im Warehouse Nr. 6 statt und auch unser Guide war derselbe wie beim letzten Mal. Ausgeschenkt wurden wieder 3 Drams und das nicht zu knapp. Mussten wir beim letzten Male noch nach Samplefläschchen fragen, hat Bruichladdich hier offenbar dazugelernt und verteilt nun an jeden Teilnehmer kleine Pappkartons mit einem Glas plus 3 leeren Samplefläschchen. Die Drams alle auszutrinken wäre wohl für uns alle nicht wirklich gut ausgegangen. Gleichwohl ist es ja auch nicht Sinn und Zweck der Sache sich das gute Zeug im Eilzug Tempo hinter die Binde zu gießen. Genuß sieht anders aus und so hat man von den Fassproben auch später bzw. zu Hause etwas. Gefällt mir das Konzept. Ausgeschenkt wurden wieder ein Bruichladdich, ein Port Charlotte und ein Octomore, allesamt feine Whiskies, jedoch war mir der Laddie mit über 60 % vol. ein wenig zu sprittig. Nach dem Tasting dann sind Peter und Michael wieder in den Mini Market nebenan gewechselt. Ich jedoch wollte noch einen Dram im Shop probieren, den ich schon von einem Bruichladdich-Tasting in der Whiskyplaza kannte. Es handelte sich dabei um den Octomore 16.2, der mir so gut gefallen hatte und der mich auch an diesem Tage im Brennerei-Shop wieder vollends überzeugt hat.
Den Nachmittag über hatten wir dann in Bowmore eingeplant. Wir wollten ein wenig shoppen und natürlich auch in der örtlichen Brennerei vorbeischauen. Ein Tasting oder eine Tour hatten wir nicht gebucht, dafür nahmen wir aber in der Bar zunächst den Welcome Dram mit. Peter wollte sich noch ein wenig in Bowmore umschauen, Michael und ich blieben vor Ort und bestellten uns je ein Tasting Flight, genossen den Ausblick auf den Loch Indaal und liessen den lieben Gott einen guten Mann sein. Einfach herrlich. Irgendwann sind wir dann mit dem ÖPNV der Insel wieder zurück nach Port Ellen und liessen den Abend entspannt in der Bar des Ardbeg Hotel bei einem Dram ausklingen.
Ich glaube, man merkt an der Länge der Texte, wo mein Herz zu Hause ist. Und nein, es ist nicht nur der Whisky auf Islay, bei weitem nicht. Schon bei unserer letzten Reise zum Fèis Ìle 2014 hatte ich für mich konstatiert, dass diese Insel ein fast schon eine magische Wirkung auf mich hat. Klar, ein paar meiner favorisierten Destillen sind hier beheimatet, aber die von mir bei meinem ersten Islay-Trip (Link?) noch leicht negativ angemerkte Kargheit hat bei mir einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen, wobei bei längerem Aufenthalt das Wörtchen "karg" natürlich vollkommen fehl am Platze ist. Wenn ich von Kilchoman zur Machir Bay gehe oder von Ardbeg zum Kildalton Cross laufe oder vom Abzweig der A846 im Norden nach Caol Ila bzw. Ardnahoe und Bunnahabhain spaziere oder im Südwesten Portnahaven besuche und dann die westliche Single Road Track zurück in das Ortschaft Lochindaal entlang fahre oder oder oder, es stellt sich bei mir ein ganz eigenes Gefühl der Erhabenheit und des Respekts gegenüber der rauhen und wilden Landschaft und der dort lebenden Menschen ob ihrer Widerstandsfähigkeit gegenüber wirtschaftlichen Problemen und den Unbillen von Mutter Natur ein.
