Teil 3 der Schottland-Tour führte uns zunächst nach Oban und nach einer dortigen Übernachtung weiter Richtung Norden. Zunächst mussten wir uns aber von Islay verabschieden, was mir persönlich immer ziemlich schwerfällt, aber ich war ja nicht das letzte Mal auf Insel, soviel ist mal sicher. Unsere Reise mit CalMac ging weiter von Port Askaig in Richtung, nein, nicht Kennacraig, sondern über Colonsay nach Oban. Die Tickets für die Fähre zu bekommen war nicht so ganz easy. Wir hatten bei der Planung der Reise tatsächlich auf genau diese Fährverbindung spekuliert und als dann die Tickets verkauft wurden, waren wir nicht schnell genug mit der Buchung. Also mussten wir wieder auf die Standardroute über Kennacraig ausweichen, was dann aber wieder eine ziemlich lange Autofahrt nach Oban nach sich ziehen würde. Aber gut, was sollten wir tun. Dann aber ein paar Wochen später bekam ich von CalMac die Info, dass wir für die Rückfahrt von Islay nicht mehr die für vormittags gebuchte Fähre nehmen könnten, sondern auf eine Fähre am späten nachmittag umgebucht würden, was wiederum unsere schon existenten nächsten Übernachtungsbuchungen über den Haufen werfen würde. Also prüften wir nochmal die Fährverbindungen für unseren Abreisetag von der Insel, und siehe da, es gab, warum auch immer, wieder Tickets für die Tour Port Askaig - Oban. Also wurden nach kurzer Rücksprache untereinander schnell die Tickets für die Fähre nach Oban umgebucht, was mich persönlich sehr freute, da ich auf die bis dato mir unbekannte Route von Islay über Colonsay nach Oban sehr gespannt war. Bei der Umbuchung ist uns dann durch Zufall noch aufgefallen, dass die ursprünglich von uns gebuchte und dann gecancelte Verbindung noch oder wieder buchbar war. Keine Ahnung was da bei dem Fährenbetreiber Caledonian MacBrayne schief lief, es war uns aber auch egal, hatten wir nun doch noch Tickets für unsere Wunschroute nach Oban buchen können.
Aber zurück vom Planungsgewirr zur Reise an sich. Wir trafen ein wenig zu früh am Fähranleger in Port Askaig ein und hatten dementsprechend Zeit, um uns ein bisschen an dem kleinen Hafen umzuschauen. Zeit, die ich bis dato so für mich noch nie hatte. Also schnüffelte ich von hier nach da und von da nach dort und entdeckte ein paar schöne Details. So z.B. das alte Port Askaig Hotel und die Old Port Bar (zumindest von außen, was allerdings meine Fantasie an frühere Zeiten sehr anregte), die geschäftigen Arbeiter am Pier, die offenbar Krabben und Fische aussortierten, die alte Kanone, die wohl anno dazumals den kleinen Hafen vor Überfällen schützen sollte oder die lütte Fähre von und nach Jura, die bei dem an diesem Tage vorherrschenden Seegang arg hin- und herschaukelte. Aber als dann die frisch in Dienst gestellte "Isle of Islay" in der Ferne erschien, wurde ich aus meiner Traumwelt wieder in die Realität zurückgeholt.
Auf der Fähre dann quartierten wir uns für die nächsten knapp 4 Stunden ziemlich weit vorn auf den Schiff ein, so dass wir eine schöne Sicht auf die vor uns liegenden felsigen Küstenlandschaften hatten. Diese Route war für mich eine Premiere und deswegen freute ich mich auch besonders darauf, und ich sollte nicht enttäuscht werden. Zunächst tuckerten wir durch den Sound of Islay Richtung Norden. Steuerbord die Paps Of Jura und backbord ziehen wie an einer Perlenschnur aufgereiht langsam die drei nordöstlichen Islay-Brennereien vorbei. Erst Caol Ila, dann Ardnahoe und schließlich Bunnahabhain. Und zu guter letzt dann der Rhuvaal Lighthouse. Wundervolle Ausblicke boten sich mir da. Ein kurzer Zwischenstopp wurde noch bei Colonsay eingelegt, ein kleines Eiland, gelegen zwischen der Isle of Islay und der Isle of Mull, bevor wir dann weiter Richtung Oban schipperten. Eigentlich bin ich die gesamte Überfahrt auf der Fähre unterwegs gewesen. Von vorne nach hinten auf's Deck und von links nach rechts auf die Seitendecks, schließlich wollte ich nichts von der zerklüfteten felsigen Küstenlandschaft verpassen. Und ich wurde tatsächlich auch mit vielen spektakulären Ausblicken belohnt. Ein paar davon habe ich hier natürlich mit beigefügt. Die Ankunft in Oban dann war genauso spektakulär wie die Überfahrt, der Anblick der kleinen Hafenstadt mit seinen Sehnswürdigkeiten, allen vorna das Wahrzeichen von Oban, der McCaig's Tower & Battery Hill, sowie der Blick in eigentlich alle Himmelsrichtungen mit felsigen Inseln, Bergketten im Hintergrund und viel Meer war für mich überwältigend.
In Oban dann suchten wir zunächst unser Nachtquartier auf und checkten ein, bevor wir im Anschluß in die Oban Distillery marschierten und eine Brennerei-Tour besuchten. Kurzes Fazit: Schöne alte Brennerei inmitten der Stadt, die Tour war nicht schlecht, obwohl zu dem Zeitpunkt nicht produziert wurde, und die ausgeschenkten Drams waren auch OK. Aber ich krieg's nicht aus meinem Schädel, es ist halt eine Brennerei, die zum Diageo Konzern gehört. Aber gut, lassen wir das. Im Anschluß sind wir noch in das Oban Inn eingekehrt, ein sehr alter und authentischer Pub im Zentrum von Oban gelegen, unweit der Distillery, um zu speisen und noch ein zwei einheimische Biere zu genießen. Schöner Abschluß des Tages.
Distillery-Tour bei Oban
Am nächsten Tag dann verliessen wir die Küstenregionen und fuhren weiter in Richtung Norden. Die nächste Übernachtung hatten wir in Tain geplant, was eine ungefähre Entfernung von ca. 140 Meilen (~225 km) bedeutete. Wir fuhren entlang des Loch Linnhe bis Fort William und wollten dort einen Blick in die Ben Nevis Distillery werfen, was uns jedoch versagt blieb, da Sonntag war und auch in Schottland an diesem Wochentag in der Regel Ruhetag herrscht. Dann machten wir halt einen kleinen Abstecher nach Corpach, um uns das Old Boat of Caol abzuscheuen, welches ja schon einen gewissen Bekanntheitsgrad besitzt. Ist aber auch ein schönes Motiv, so mit Ben Nevis im Hintergrund, jedoch ist hier nicht die Brennerei, sondern Schottlands höchster Berg gemeint. Dann ging's auch schon weiter, am Loch Lochy vorbei zum Loch Ness, wo wir uns mit einem kleinen Imbiss am Caledonian Canal stärkten und dann weiter zur Teaninich Distillery fuhren, wo wir eine Besichtigung der vor gar nicht allzu langer Zeit geschlossenen Brennerei hatten, natürlich wieder dank Peter und seinen Verbindungen. Es ist schon spannend in einer stillgelegten Distillery eine Führung zu bekommen, sehr interessant. Bevor wir dann am Ende des Tages in unserem B&B in Tain verschwanden, nahmen wir noch ein feines Abendessen im Dornoch Castle Hotel zu uns. Peter hatte sich dankenswerterweise bereit erklärt, uns hin- und wieder zurückzufahren. So konnten Michael und ich uns noch ein zwei Drams von der vorzüglich ausgestatteten Whiskykarte genehmigen. Für mich gab es neben einem jungen Dornoch, der in der benachbarten sehr kleinen Brennerei gleichen Namens destilliert wurde und mich nicht wirklich überzeugte, und einen 21-jährigen Laphroaig von The Whisky Agency, der dann schon in einer anderen Liga spielte. Die Krönung dann aber war ein 32 Jahre alter Laphroaig aus einem Refill Barrel, den wir in einer Vitrine entdeckten. Peter fragte dann ob des unleserlichen Label nach und so bekamen wir zum Lohn jeder einen Dram von diesem ganz hervorragenden Islay-Whisky (Peter bekam ein Sample mit). Also das Dornoch Castle Hotel ist wirklich sehr zu empfehlen. Großartiger Service, fachkundiges Personal, qualitativ hochwertige Küche und eine feine Whiskyauswahl sprechen da eine eindeutige Sprache.
Tour in der geschlossenen Teaninich Distillery
Am Tag darauf ging es weiter Richtung Norden, und dann auch schon an die nördliche Küste Schottlands. Michael und Peter wollten die 8 Doors Brennerei besuchen, während ich die Pulteney Distillery erkunden wollte. Also steuerten wir Wick, die Heimat der Old Pulteney Distillery, an und schauten uns im Shop um. Ich hatte im Vorfeld noch nichts gebucht, da ich mir noch nicht sicher war, ob ich eine Tour und falls ja, welche ich buchen sollte. Also habe ich vor Ort dann spontan angefragt und ich konnte noch die von mir favorisierte "The Making of the Maritime Malt Experience"-Tour buchen, die neben dem Brennerei-Rundgang auch noch ein Tasting mit 4 Core Range-Abfüllungen non Pulteney beinhaltete. Also flugs die Tour gebucht, während sich Michael und Peter auf den Weg weiter gen Norden machten. Sie wollten sich die Distillery 8 Doors anschauen und mich im Anschluß dann wieder abholen. Ich musste dann noch ein paar Minuten warten, bis der Tour-Guide bereit war. Ich schaute mich noch ein wenig im Shop um und musste festellen: Ich war der einzige Gast und meine Befürchtungen, dass ich der einzige Teilnehmer der Tour bin, bewahrheitete sich ziemlich schnell. Befürchtungen deshalb, weil ich dachte, meine extrem bescheidenen Englisch-Kenntnisse würden eine Kommunikation mit dem Tour-Guide quasi unmöglich machen. Aber weit gefehlt. Klar, ich habe bei weitem nicht alles verstanden, seltsamerweise jedoch kam hier und da ein holpriges Gespräch zustande, was mich dann doch eher verwunderte und natürlich sehr freute. So wurde es dann doch eine sehr interessante Tour durch die alte Brennerei für mich. Im Anschluß wurde ich in den Tasting-Room geführt, wo die angekündigten Drams auf mich warteten und mir gesagt wurde, dass ich die 4 Drams in Ruhe genießen könne und wenn ich Fragen hätte, doch in den Shop kommen solle. Das war mir auch ganz recht, konnte ich mich in aller Ruhe in dem schön hergerichteten Room umschauen und ein paar Fotos schießen. Und natürlich die vier Pulteney's genießen. Auch hier konnte ich festhalten, Old Pulteney aus reinen Bourbon-Casks gefallen mir am Besten, im voliegenden Fall der 12-jährige Standard Old Pulteney.
Tour und Tasting in der Pulteney Disitillery
Achso, eine Flasche hatte ich schon, ähnlich wie bei Laphroaig, gedanklich und schließlich auch in der Realität gekauft. Es war eine der beiden Bottle your own-Abfüllungen, und zwar ein 19 Jahre alter Pulteney aus einem Bourbon-Cask mit der Nummmer 1910, die Andreas, ein weiterer Whisky-Kollege, der zeitgleich wie wir in den Weiten Schottlands unterwegs war, auch schon probiert, für gut befunden und schlussendlich gekauft hatte. Natürlich hatte ich von beiden Fässern vor Ort genascht und mich für jene aus dem Bourbon-Cask entschieden, da für mich Pulteney aus dem Bourbon-Cask am Besten funktioniert, weil hier der maritime, salzige Charakter des Destillats am Besten zur Geltung kommt, welchen ich mittlerweile in eigentlich jeder Pulteney-Abfüllung suche.
Nachdem ich dann alles in der Brennerei erledigt hatte, war noch Zeit, bis meine beiden Kollegen mich einsammeln wollten und so streifte ich noch ein wenig durch das kleine Städtchen Wick. Wirklich viel gab es hier nicht zu entdecken, es ist alles ziemlich bodenständig und authentisch dort, also kein Tourismus-Kitsch und ähnliches Gedöns. Das gefiel mir gut und so schlug ich die Zeit mit einem Spaziergang an der Steilküste entlang, vorbei am James Bremner Memorial und wieder zurück nach Wick, um eine Kleinigkeit zu essen und einen Milchkaffee to go zu genießen. Irgendwann dann holten mich Michael und Peter wieder ab und wir fuhren Richtung Nordwest nach Thurso, unserer letzten Übernachtungsstation vor der Überfahrt nach Orkney.
In Thurso angekommen, es war schon später Nachmittag, checkten wir erst mal in unser B&B ein, gegenüber vom örtlichen Lidl-Supermarkt, und wollten dann noch was essen gehen, was sich als ziemlich schwierig entpuppte. Wir sind quasi durch die ganze City gelaufen, um ein Pub, Restaurant o.ä. zu finden. Und als wir dann schließlich doch noch fündig wurden, war es die denkbar schlechteste Möglichkeit, eine Mahlzeit einzunehmen. Im Royal Thurso Hotel war das Essen so gar nicht königlich, eher unterirdisch, dazu das unfreundliche Servicepersonal. Da bekommt man große Lust auf das Verfassen einer negativen Rezension. So bekommt der Name Thurso für mich aber auf jeden Fall einen negativen Beigeschmack, aber egal, es kann ja nicht immer alles nur toll sein. Am nächsten Tag setzten wir ja über nach Orkney, worauf wir uns sehr freuten. Wir waren alle drei noch nicht auf dieser Inselgruppe im Norden Schottlands.
