Hier nun der finale Beitrag meiner kleinen Rundreise durch (größtenteils) Ostdeutschland. Allerdings befinde ich mich dafür schon knapp im Westteil Deutschlands, auch wenn es vor Ort aussieht wie vielerorts noch im Ostteil des Landes. Ich war schon überrascht, wie verlassen und schon irgendwie deprimierend dieser Teil des Harzes wirkte. Verlassene Häuser, stillgelegte Betriebe, geschlossene Geschäfte und Pensionen, beginnender Verfall und keine Menschen auf den Straßen, das alles findet sich in Zorge. Oder, um Anna Langer, Assistentin der Geschäftsführung der Hammerschmiede sinngemäß zu zitieren: "Wer Lost Places liebt, kommt nach Zorge. Hier gibt es jede Menge Wohnraum ... und Lost Places!". Da hört man dann schon ein wenig Ironie und Galgenhumor heraus, was ich durchaus nachvollziehen kann, da ich von meiner Unterkunft zur Destillerie fast den gesamten Ort per pedes durchqueren musste. Einmal Vormittags, dir Tour begann um 11:30 Uhr, und einmal Nachmittags, nachdem Tour und Tasting durch waren, und ich sah insgesamt so ca. 3-5 Menschen, und das auch nur beim wahrscheinlich letzten Bäcker vor Ort. Irgendwie lag über der ganzen Ortschaft ein Schleier der Schwermut, so mein damaliger Eindruck. Aber dann gab es ja auch noch den Lichtblick in Form der Hercynian Distilling Co. am Elsbach. Womit ich dann beim heutigen Thema wäre: A Tour with the Mistress in der Hammerschmiede.
Schon aus einiger Entfernung kann man die Brennerei aufgrund einer schmalen Rauchfahne erahnen, die über dem Tal aufsteigt. Einmal näher gekommen, denkt man nicht, dass man an einer Whisky-Brennerei angekommen ist, zumindest wenn man in schottischen Maßstäben denkt. Man erkennt es jedoch an den rings um das Gebäude aufgestellten Fässern. Im Destillerie-Shop drinnen fällt sofort die Weitläufigkeit der Räumlichkeit sowie das schicke Interieur mit den bis in's kleinste Detail liebevoll gestalteten Accessoires in's Auge. Also kurz durch den Laden geschlendert und die zum Kauf angebotenen Flaschen inspiziert und dann ging es auch schon los.
Die Chefin höchstpersönlich führte durch den Nachmittag, dabei erzählt sie uns in dem kleinen Ausstellungsraum, in dem auch ihre private Sammlung an Flaschen von Beginn an in Glasvitrinen ausgestellt ist, kurz die Geschichte der Hammerschmiede. Wir waren insgesamt 9 Personen, wovon alleine 6 einer Junggesellenabschiedstour angehörten. Die restlichen beiden Kollegen waren aus dem Ruhrpott, Dortmund glaube ich. Alles in allem eine Mischung aus jung und alt. Im Anschluß wurden wir durch alle Stationen der Destillerie geführt und Anna-Katharina Buchholz erzählte uns alles Wissenswertes dazu, was sie hier und da mit kleinen witzigen Anekdoten auflockerte. Erzählen kann die Frau, soviel steht mal fest. Und speziell am Verpackungs- und Etikettierbereich sieht man, dass dort wirklich alles noch von Hand gemacht wird. Der örtliche Arbeitsmarkt dürfte es ihnen danken. Die Besichtigung des Warehouse zum Abschluß der Tour dann war noch mal besonders interessant, da uns die Chefin tiefe Einblicke in das Fassmanagement der Brennerei und die Lagerung von Whisky im Allgemeinen gab. Dabei meinte sie, dass ziemlich kurze Reifezeit von Elsburn und co. u.a. daher rührt, dass die Fasslager hierzulande strengeren Auflagen vom Gesetzgeber unterliegen. Z.B. muss in den Lagern die Luft beständig ausgetauscht werden, so dass der Whisky in den Fässern schneller reift als in schottischen Warehouses, in denen der Whisky geradezu in der Luft hängt und man bei längeren Aufenthalt nur vom Einatmen der Luft schon leicht angesäuselt ist.
In der Hammerschmiede war die Luft im Lager hingegen "sauber", da ein ständiger Lufstrom durch das Lager streicht. Ob das wirklich die Reifung von Whisky beeinflußt, vermag ich nicht zu sagen, für mich klang es jedoch plausibel. Damit ging eine hochinteressante und sehr informative Tour zu Ende, aber wir hatten ja noch ein feines Tasting zu absolvieren, worauf ich mich besonders gefreut habe.
Dazu wechselten wir vom Warehouse zurück in den Shop, wo an 2 Tischen schon alles für uns vorbereitet war. Die Junggesellenabschiedstour- gruppe saß an einem Tisch und die beiden Dortmunder und meine Wenigkeit an einem zweiten Tisch. Es wurden insgesamt 4 Drams gereicht, die wir in lockerer Atmosphäre verkosten durften, immer von Anna-Katharina Buchholz locker kommentierend begleitet. Die folgenden Abfüllungen wurden gereicht:
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- Elsburn - The Harz - Distiller's Cut Batch 001 - 50,0% - WB: 266360
- Willowburn - Single Cask PX Sherry Cask No. 1313 - 54,8% - WB: 286133
- The Alrik - 13y Sherry Octave Enhanced - 57,4% - WB: 259823
- Emperor's Way - Otto I. Sherry Cask Matured - 59,8% - WB: 255575
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Und was soll ich sagen. Ein Whisky besser als der andere. Sogar der Elsburn, der Einsteigerwhisky der Brennerei war Klasse. Der Willowburn überzeugte mit seinem sanften Holzrauch. Der Alrik war für mich Sieger des Tastings, sein tiefer, komplexer Charakter hatte mich komplett geflasht. Das ist ganz großes Kino. Auch der letzte Whisky, ein Emperor's Way, war ein fetter, rauchig-komplexer Vertreter seiner Zunft. Selten so ein geiles Lineup gehabt, was aber irgendwo nicht verwundert, da ich die Destillerie sehr mag. Zudem habe ich mich hier und da schon als Fan der Destillerie geoutet. Schlußendlich konnte man als Tastingteilnehmer noch den ein oder anderen Dram aus den offenen Flaschen probieren, was ich natürlich getan habe. Ich hatte seit Betreten des Shops einen Emperor's Way im Auge, der für 5 Jahre in einem Mizunara-Fass reifte. Den musste ich probieren, wollte ich doch schon länger ein Whisky jener Fassart probieren. Aber am Ende hatte er mich nicht wirklich überzeugt, mag sein, dass ich durch das Tasting schon zu verwöhnt war oder die Aromen eines Mizunara-Fasses nichts für mich sind. Ich weiß es nicht. Ich werde aber bei dem Thema dranbleiben. Zum Ende hin hatte ich mir noch eine Flasche Willowburn aus einem Sherry Ocatve selbst abgefüllt, was einfach sein musste.
Damit ging denn auch der letzte Tag meiner Rundreise zu Ende. Ich bin froh, diese Serie hier auf meiner Website zu einem Ende gebracht zu haben, nach immerhin 8 Monaten. Ich habe keine Ahnung, warum ich mich damit so schwer getan habe. Wahrscheinlich hängt das mit meiner Vergangenheit und der Auseinandersetzung mit derselben zusammen. Aber gut, jetzt hab ich's ja. Zumal in zwei Tagen die nächste große Reise aussteht. Es geht wieder einmal, welch Überraschung, nach Schottland und ich freue mich schon sehr darauf und werde dann natürlich hier mit reichlich Fotomaterial davon berichten.
