Ein Regenbogen über unserem Dampfschlepper

Elbe-Tasting auf dem Dampfschlepper Tiger

Am vorletzten Sonnabend, genauer gesagt am 05.09.2026, fand ein kleine Bootsfahrt mit der "Tiger" im Hamburger Hafen statt. Organisator war Stefan Bohn, ein nicht nur in der Hamburger Whiskyszene gut bekannter und vernetzter Whisky-Connaisseur, der regelmäßig Whisky- und Zigarren Tastings veranstaltet. Der Dampfschlepper "Tiger", auf dem Stefan das Tasting veranstaltete, ist ein Bestandteil des Museumshafen Oevelgönne e.V. und ist eine Nummer größer als der Hafendampfschlepper "Claus D." oder die Polizeidampfbarkasse "Otto Lauffer", auf denen normalerweise die jährlich im Mai stattfindenden Ausfahrten der Scotch Malt Whisky Society stattfinden. Und ich vermute, dass genau diese Größenunterschiede, sei es in der Höhe oder auch im Tiefgang, dafür verantwortlich sind, dass wir mit dem Dampfschlepper durch keine der vielen Schleusen in den Seitenarmen und Kanälen des Hamburger Hafens gefahren sind, was ich persönlich schade fand, da man dort immer sehr viel entdecken konnte. Aber sei's drum, es war mir auch so wieder ein Fest, mit einem semi-lütten Dampfer auf der Elbe entlang zu tuckern.

Vor allem weil das Wetter mitspielte und alles gab, was die meisten der Mitfahrenden sicherlich ein wenig anders gesehen haben dürften. Das war aber der Tatsache geschuldet, dass wir es während der gesamten Fahrt mit einem steten Wechsel zwischen schönstem Sonnenschein und heftigsten Regenschauern nebst starken Winden zu tun hatten. Und das in rasend schnellem Tempo, was man auch schön anhand der Fotos nachvollziehen kann. Ich habe selten so schnelle, so schnelle Wetterwechsel erlebt wie an diesem Sonnabend Nachmittag hier auf der Elbe. Ich liebe solches Wetter ja extrem und als Fotograf kann einem doch eigentlich nichts besseres passieren.

So, nach der ganzen Wetterschwärmerei will ich aber natürlich auch etwas über die Leute und die verkosteten Whiskies verlieren, die ja schließlich der Hauptgrund meines Besuchs auf der "Tiger" waren. Stefan als unser Gastgeber hatte den Nachmittag grob zweigeteilt. Zunächst stellte er 4 Flaschen, sogenannte Aperitifs zum freien Verkosten auf den Tisch. Ich als oller Bunna-Fan hab mir natürlich als erstes den Eirigh Na Greine eingeschenkt, den ich auch schon lange nicht mehr im Glas hatte. Schöner Auftakt. Auf Empfehlung von Michael, den ich auf dem Boot kennenlernen durfte, hab ich mir als nächstes einen Arran gegönnt, und zwar den 10er aus der Core Range der Brennerei. Michael ist bekennender Arran Fan und meinte, dass ich den unbedingt mal probieren müsste. Und ich habe es nicht bereut, ein runder und süffiger Daily Dram, den man am Abend bei einem Buch oder bei kurzweiligen Gesprächen mit Freunden mal so eben wegschnasseln kann. Gefährlicher Geselle, der Arran. Des Weiteren waren noch der Scapa Glansa und ein 18y Jura mit von der Partie, wobei speziell der Jura irgendwie an mir vorbei gegangen ist. Schade, denn den hätte ich gerne mal probiert, da ich mir über die Brennerei Jura noch nicht so ganz im klaren bin. Bei Scapa schließlich war ich raus, da ich mit den Abfüllungen dieser, eigentlich tollen Distillery (ich konnte mich im Frühjahr vor Ort davon überzeugen) irgendwie nicht so wirklich warm werden kann.

Als dann (fast) alle 2 oder 3 Drams genossen hatten und die ersten Gespräche unter den Teilnehmern in Gang kamen, köpfte Stefan die erste reguläre Flasche und verteilte den Inhalt unter den Gästen. Es handelte sich dabei um einen 10-jährigen Bowmore aus der Aston Martin Serie, den ich noch nicht kannte. Trotz seiner 40% vol. hatte er eine schöne kräftige Würzigkeit. Allerdings fehlte mir hier ein wenig die Rauchigkeit, die bei Bowmore aber eh immer ein wenig im Hintergrund steht, zumindest bei den Original-Abfüllungen. Weiter ging es mit einem Ardnamurchan, ebenfalls eine Brennerei-Abfüllung, dem man seine Jugend durchaus anmerkte, mir aber trotzdem durchaus mundete. Es soll sich dabei um eine der ersten regulären Abfüllungen dieser noch sehr jungen West Highland Distillery handeln. Ardnamurchan-Whiskies mag ich grundsätzlich sehr gerne, und im vorliegenden Falle wurde ich in meiner Meinung wieder bestärkt. Der Dritte im Bunde war ein junger Glenglassaugh, der für den Glenelbe Kollmar Whisky Club mit 57,8% vol. abgefüllt wurde. Reifen durfte er 7 Jahre lang in einem Oloroso Octave Cask, was man diesem jungen Whisky auch anmerkte. Mächtiger Antritt und am Gaumen schön das Oloroso Fass abgebildet war er mein Favorit des Tages. Dicht gefolgt vom vierten Kandidaten des regulären Tastings: einem 12 Jahre alten Glen Scotia, der ein Finish in einem Oloroso Cask erfuhr. Hier hatten wir es mit einem der besseren Single Cask Releases von Glen Scotia zu tun, die ja durchaus auch mal ganz stark in die andere Richtung ausschlagen können, so zumindest meine Erfahrung. Tatsächlich meine Nummer 2 des Tages. Zum Ende gab es dann noch eine kleine Überraschung. Michael spendierte der Runde noch eine Flasche aus seiner Sammlung, und zwar einen 8-jährigen Lagavulin, der in Bourbon Casks reifte und zum Schluß trotz seiner "nur" 48% vol. noch einmal einen schönen rauchigen Akzent setzen konnte. Ein würdiger Abschluss würde ich sagen.

Final kann ich sagen: Man setze mich bei Fotografenwetter auf einen wie auch immer gearteten Kahn im Hafen, tuckere los und meinereiner ist happy. Und wenn dann noch ab und an ein netter Herr vorbeikommt und mir einen feinen Dram ins Glas haut, dann ist für mich alles Banane, dann bin ich seelig, trotz der ganzen Scheiße um einen herum. Ich bin froh, dass ich an diesem Event teilnehmen durfte. Vielen lieben Dank an Stefan Bohn für die Organisation und die feinen Whiskies. Und natürlich auch ein großes Dankeschön an die Crew des alten Dampfschleppers "Tiger". Es war mir ein absoluter Hochgenuß.

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